Trinkwasser | Ist Leitungswasser gesund? | Nitrat, Kalk & Chlor im Wasser

Trinkwasser und sein Aufbau

Trinkwasser ist nicht nur unser wichtigstes Lebensmittel, es ist auch laut Wasserwerke und Wasserverordnung das Lebensmittel, welches den schärfsten Kontrollen unterliegt. Doch wie ist es tatsächlich um die Wasserqualität bestellt, die bei uns aus dem Hahn fließt? Fakt ist, die Obergrenzen für eine Schadstoffkonzentration im Wasser sind sehr hoch angesiedelt. Es existieren Höchstwerte für Bleich, für Arsen und auch für Bor. Doch wie ist es um Obergrenzen bei Hormonen und Medikamentenrückstände bestellt? 

Richtig, die sind nicht einmal definiert. Seit geraumer Zeit schlagen Ärzte und Wissenschaftler Alarm, dass in unserem Trinkwasser aggressive Parasiten, Viren, Bakterien, Leicht- und Schwermetalle, Kunststoffrückstände, Pestizide, Hormone, Rückstände von Arzneimitteln und viele weitere Verbindungen auf organischer Basis enthalten sind, welche die Gesundheit nachhaltig negativ beeinflussen können. Seitens der Wissenschaft wird den Wasserwerken und Herstellern von Trinkwasser regelmäßig vorgeworfen, sie würden die Gefahren durch eine Belastung des Wassers in mikrobiologischer Hinsicht massiv unterschätzen.

Wie steht es um den Mineralstoffgehalt im Trinkwasser und liefert uns das Wasser auch das, was wir benötigen? Bitte berücksichtige, dass die Werte von Region zu Region und markenabhängig große Unterschiede aufweisen können. Unser täglicher Bedarf im Bereich Kalzium liegt bei rund 500 bis 1.000 mg. Das, was wir am Tag in der Lage sind über das Trinkwasser zu uns zu nehmen, liegt bei circa 100 bis 150 mg. Vom wichtigen Kalium, von dem du am Tag bis zu 5.500 mg benötigst, sind in einem Liter Trinkwasser rund 12 mg enthalten. Magnesium benötigen wir 220 bis 440 mg und im Liter Trinkwasser finden sich davon 50 mg. Zudem finden wir in unserem Trinkwasser Zink, Kupfer, Vanadium, Zinn, Mangan, Chlor, Molybdän, Chrom, Nickel, Kobalt, Phosphor, Schwefel, Silizium, Fluor und Jod.

Du siehst, bei den meisten Mineralstoffen ist es definitiv nicht möglich, dich nur auf dem Trinkwasserweg mit dem zu versorgen, was dein Körper benötigt – aber du kannst damit deine Nahrungsaufnahme sinnvoll unterstützen, wenn du qualitativ hochwertiges Wasser trinkst.

Wie viele Liter an Wasser in Trinkwasserqualität verbrauchen wir und welcher Anteil davon wird getrunken? Bei Wasserverbrauch pro Kopf liegen wir in Deutschland im Mittelfeld Europas. Zahlen aus dem Jahr 2014 sagen aus, dass wir aufs Jahr verteilt rund 120 Liter pro Tag und Kopf verbrauchen. Von diesen 120 Litern am Tag entfallen aber im Durchschnitt nur 5 Liter und damit rund 4 Prozent auf den Bereich Essenzubereitung und das Trinken. Wobei wir beim reinen Trinken pro Kopf und Jahr nach diversen Studien ungefähr 150 Liter schaffen, was unter dem Strich bedeutet, wir trinken rund einen halben Liter Trinkwasser am Tag.

Doch woher stammt unser tägliches Trinkwasser? Den überwiegenden Teil gewinnen wir aus den Grundwasserschichten, die mittels Bohrungen ‚angezapft‘ werden. Circa 75 Prozent unseres Trinkwasserbedarfes werden über den Weg der Grundwasserförderung oder aus Quellwasser abgeschöpft. Dazu werden Brunnen gebohrt, die im Maximum bis zu 100 Meter in die Tiefe gehen. Pumpen werden unterhalb des Pegels vom Grundwasser verbaut und die befördern das Wasser nach oben bis in die dortigen Behälter oder Wassertürme. Die restlichen und fehlenden 25 Prozent an Trinkwasser werden aus Seen, Flüssen oder eigens dafür angelegten Talsperren geschöpft. Über Rohrsysteme wird das gewonnene Trinkwasser zu den Wasseraufbereitungsstätten geführt, in denen das Trinkwasser kontrolliert und aufbereitet wird. Das Kanalnetz in Deutschland, mit dem Wasser gefördert und transportiert wird, umfasst mehr als 500.000 Kilometer.

Doch wieso, wenn das Wasser in Deutschland so sauber ist, machen Wasserfilter überhaupt einen Sinn für dich? Tragen die Wasserwerke die Prüfungsverantwortung für das Trinkwasser, so endet diese Verantwortlichkeit ab dem Punkt, wo das Wasser dein Haus erreicht. Das heißt, alle Leitungen ab dem Übergabepunkt sind ‚deine Baustelle‘. Und exakt da verstecken sich nicht selten die Probleme. So sorgen Häuser mit alten Leitungen dafür, dass aus dem Hahn öfter als erwünscht Wasser in kritischer Qualität fließt. Ganz gleich, ob es sich dabei um alte Bleirohre, Kupferrohre oder Kunststoffrohre handelt. Jede Form des Rohrleitungssystems hat seine ureigenen Schwachstellen. Waren es beim Blei noch die krebserregenden Schwermetalle, so sind es beim Kupfer ebenso Metalle und beim Kunststoff eher Bakterien und Keime, die sich in den Rohren bilden und durch den Wasserhahn transportiert werden. Das Umweltbundesamt ist ständig auf der Suche nach Optionen, mit denen die hohe Qualität des Trinkwassers gewährleistet und noch verbessert werden soll. Dazu gehört zum Beispiel, dass über das Bundes-Bodenschutzgesetz sowie die und der Bundes-Bodenschutzverordnung und die Altlastenverordnung sichergestellt wird, dass keine schädlichen Stoffe in den Boden eindringen. Dabei richten sich die eigenen Ansprüche beim UBA (Umweltbundesamt) nicht nur an toxikologischen Maßstäben aus, sondern das Trinkwasser muss auch hinsichtlich Optik und Geruch ästhetischen Anforderungen genügen. Zu viel Eisen im Wasser wäre zwar gesundheitlich nicht bedenklich, aber es würde die Optik wie auch den Geschmack des Trinkwassers nachhaltig beeinflussen. Schon bei mehr als 0,5 mg je Liter an Eisen ändert sich der Wassergeschmack ins Metallische und durch die Luftzufuhr würde das Wasser ‚rostig‘, also rötlich-braun.

Nitrat im Wasser

Unter dem Begriff verstehen wir einen Stoff, der ganz natürlich in unseren Böden auftritt. Da Nitrat aus Stickstoff und Sauerstoff besteht, ist das auch sinnvoll und erwünscht, denn die Pflanzen entziehen dem Nitrat den Stickstoff und wandeln ihn in Eiweiße um, die sie zum Wachstum benötigen. Da du Nitrit auch über die Lebensmittel aufnimmst, ist es im Grunde kein schädlicher Stoff – solange sich das Aufkommen in Grenzen hält. Erst dann, wenn der Nitratgehalt zu hoch ist und die Umwandlung zu Nitrit und Nitrosaminen im sauren Milieu des Körpers stattfindet, wird es gesundheitsbedenklich und problematisch.

Kalk im Wasser

Kalk im Wasser wird als ‚hartes oder weiches Wasser‘ definiert. Je geringer der Kalkanteil, desto weicher ist dein Wasser klassifiziert. Doch ist der Kalkgehalt in deinem Wasser gesundheitsschädlich? Wie hoch der Kalkanteil in deinem Wasser ist, liegt zuerst einmal daran, woher dein Wasser kommt. Wird im Untergestein Kalzium und Magnesium ausgeschwemmt, die als Härtebildner bekannt sind, so verändert sich der Kalkanteil nach oben. Das macht sich dann in weißen Ablagerungen im Wasser bemerkbar. Hierbei geht es demnach ausschließlich um ästhetisches Empfinden, denn Kalk im Wasser – eine hohe Menge an Kalzium und Magnesium – ist nicht gefährlich und beeinträchtigt die Gesundheit nicht negativ. Würdest du deinen täglichen Bedarf an diesen Mineralstoffen über das Trinkwasser decken wollen, müsstest du einen kompletten Eimer mit 10 Litern trinken.

Hartes und somit kalkhaltiges Wasser hat zwar keine gesundheitliche Bedeutung, aber es sorgt für Wasserflecken im Waschbecken, an der Duschabtrennung und für Kalkreste, die sich im Wasserkocher oder der Waschmaschine finden. Nach heutiger Bauweise wird keines der Geräte mehr schnell durch das hohe Maß an Kalk zerstört, aber es wird mehr Energie und mehr an Waschmittel benötigt.

Chlor im Wasser

Chlor findet sich stets dann im Trinkwasser, wenn die Gefahr besteht, dass Escherichia coli (E. coli) Keime auftreten könnten. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist sehr kompromisslos, was die E. coli Keime betrifft. Trinkwasser muss zu 100 Prozent frei von diesem Keim sein, da er Durchfall, Darmentzündungen und im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Nierenentzündungen hervorrufen kann.

Kommt es im Bereich der Trinkwasserversorgung zum Beispiel zu Hochwasser durch erhötes Niederschlagsaufkommen und kann der Boden seine Filterfunktion beim Wasser nicht mehr ausreichend wahrnehmen, wird dem Trinkwasser Chlor zugeführt, um das Wasser auf dem Weg zu desinfizieren. Eine Chlorbeigabe auch im gesetzlich erlaubten Rahmen kannst du sehr schnell ‚erschnüffeln‘, denn das Wasser erhält dadurch den typischen Chlorgeruch von Schwimmbädern.

Weiches Wasser

Weiches Wasser – aber nur dann, wenn es nicht völlig ‚entkalkt‘ ist – steht für relativ viele Vorteile. Dadurch, dass sich Rohre nicht mehr Kalk zusetzen, ist energie-effizientes Heizen gewährleistet. Und auch wenn die Kalkablagerungen Elektrogeräte wie die Kaffeemaschine, den Wasserkocher, das Bügeleisen oder die Waschmaschine nicht sofort zerstören, so wirken sich Kalkablagerungen negativ auf die Lebenszeit der Gerätschaften aus. Dadurch, dass weiches Wasser arm an Mineralien ist, entfallen auch die löslichen Salze im Wasser, die Haut und Haare verspröden lassen.

Haut und Haar werden gründlich ‚entsalzt‘ und fühlen sich damit weicher an. Das weiche Wasser bringt ferner den Vorteil mit, dass alle Seifenprodukte wie auch Shampoos weit besser ‚aufschäumen‘. Zur Säuberung der Wäsche, der Böden, der Haare, der Hände und der Haut ist weit weniger an Grundstoff notwendig. Und auch die Pflanzen im Haus und in der Wohnung werden das weiche Wasser mit Dankbarkeit und besserem Wachstum quittieren. Regenwasser, auf welches Pflanzen normalerweise zurückgreifen, um den Wasserhaushalt zu regulieren, ist immer weiches Wasser. Erst durch die Aufnahme im Boden und das Durchsickern durch die Gesteinsschichten wird Kalk abtransportiert und das Wasser härter. Wenn du Pflanzen mit weichem Wasser bewässerst, entfallen Kalkflecken auf den Pflanzen und das Wachstum wird positiv beeinflusst.

Doch warum, wenn es doch so gut ist, nicht das Wasser völlig entkalken? Ohne die Härtebinder Kalzium und Magnesium sind im Wasser keinerlei Erdalkalimetalle mehr enthalten. Die brauchst du jedoch dafür, dass deine Leitungen verstärkt Silikate und Phosphate als Ablagerungen aufweisen, die Oberflächen korrodieren lassen. Aus diesem Grund ist es stets erstrebenswert, einen Grad deutscher Härte“ (°dH) von 8,3 bis 8,4 zu erzielen. Dann ist das Wasser optimal aufgestellt, weich und hat noch ausreichend Mineralstoffe, um Silikate und Phosphate zu lösen. Nachteilfrei.

Entkeimung?

Für Trinkwasser gibt es die gesetzliche Vorgabe, dass es keim-arm und vollständig frei von Krankheitserregern sein muss. Unter der Entkeimung von Wasser versteht man, dass das Wasser Sterilisiert wird – Mikroorganismen wie Bakterien und Keime werden gezielt abgetötet. Um eine Entkeimung vorzunehmen lässt sich die Ozonierung des Wassers vornehmen, Chlor in Form von Chlordioxid einsetzen oder eine UV-Bestrahlung durchführen. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vor allen Dingen vom Belastungsgrad des Wassers ab. Im Bereich der Trinkwasserversorgung findet primär die UV-Entkeimung statt. Ultraviolette Strahlen zerstören die Zellen der Bakterien und Keime, die sich vollständig auflösen.

Leitungswasser

Sofern Leitungswasser nicht ausdrücklich als Betriebswasser gekennzeichnet ist, kannst du Leitungswasser mit Trinkwasser gleichsetzen. Das Wasser, welches über Leitungssysteme dem Haus oder der Wohnung zugeführt wird, wird als Leitungswasser bezeichnet. Unterschiedliche Rohrsysteme, die zum Beispiel in der Industrie zum Einsatz kommen, transportieren Wasser in unterschiedlicher Qualität – zum Beispiel reines Brauchwasser, welches sich nicht als Trinkwasser eignet.

Ist Leitungswasser gesund bzw. ungesund?

Wenn es sich beim Leitungswasser nicht um Brauchwasser handelt, ist der Genuss absolut unbedenklich und laut Wasserwerke oftmals sogar ‚gesünder‘ als Wasser, welches in Flaschen abgefüllt wird. Und das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch das benachbarte Ausland. So nennt man in Frankreich das Leitungswasser auch ‚Chateau la pompe‘ und in der Schweiz ‚Hahnenburger Wasser‘.

Kann man Leitungswasser trinken?

Leitungswasser lässt sich, vorbehaltlich der Tatsache, dass in deinem Haus keine uralten Bleirohre mehr verbaut sind, bedenkenlos trinken. Da das Leitungswasser in Deutschland hinsichtlich seiner Qualität der DIN 2000, der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und der Allgemeinen Verordnung für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) unterliegt, kann und sollte es getrunken werden. Jede Verkeimung des Wassers wird gemäß der gesetzlichen Vorgaben verhindert und im Zweifelsfall Chlor beigegeben, um so eine Entkeimung von großen Wassermengen sehr schnell vorzunehmen. Das bedeutet, deutsches Leitungswasser ist frei von Keimen, sofern sich diese nicht im hauseigenen Rohrsystem befinden. Schadstoffe finden sich im Leitungswasser wie im Trinkwasser auch und das in einer Konzentration, die nicht als gesundheitsgefährdend eingestuft werden darf. Das gilt jedoch nur für die Schadstoffe, auf die das Wasser auf qua gesetzlicher Vorgabe getestet wird.

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